Manifestieren

Bestellungen beim Universum: Die Idee, geerdet betrachtet

Aktualisiert am 8. November 2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

„Bestellungen beim Universum“ ist ein Buch von Bärbel Mohr aus den 1990er-Jahren: Man formuliert einen Wunsch klar, lässt ihn los und achtet auf Hinweise. Dass ein Universum Bestellungen ausliefert, ist nicht belegt. Die drei Schritte dahinter, klares Ziel, weniger Grübeln und offene Augen für Chancen, sind psychologisch aber gut nachvollziehbar.

Woher die Idee kommt

Wer im deutschsprachigen Raum vom Manifestieren hört, landet früher oder später bei einem Buch: „Bestellungen beim Universum“ von Bärbel Mohr. Es erschien in den 1990er-Jahren, wurde zum Bestseller und hat eine ganze Generation geprägt, lange bevor TikTok das Wort „manifestieren“ populär machte. Viele haben es von ihrer Mutter, Tante oder besten Freundin geschenkt bekommen.

Das Buch ist leicht und humorvoll geschrieben. Mohr erzählt, wie sie sich einen Parkplatz, eine Wohnung oder einen Partner „bestellt“ habe, und lädt die Leser ein, es selbst auszuprobieren. Im Englischen wurde die Idee als „Cosmic Ordering“ bekannt. Der Grundgedanke ist eng verwandt mit dem Gesetz der Anziehung.

Wie eine „Bestellung“ funktionieren soll

Vereinfacht beschreibt das Buch drei Schritte:

  1. Bestellen: Du formulierst klar und positiv, was du dir wünschst, am besten schriftlich.
  2. Loslassen: Du vertraust darauf, dass die Bestellung „ankommt“, und hörst auf, dir Sorgen zu machen oder ständig nachzuprüfen.
  3. Liefern lassen: Du achtest auf Hinweise, Zufälle und Impulse im Alltag und folgst ihnen.

Dazu kommen Ratschläge wie: klein anfangen, um Vertrauen aufzubauen, und dankbar sein, wenn etwas eintrifft.

Was davon belegt ist und was nicht

Ehrlich gesagt: Es gibt keinen Beleg dafür, dass ein Universum Wünsche entgegennimmt und ausliefert. Kein Experiment hat gezeigt, dass schriftliche Bestellungen etwas bewirken, unabhängig davon, was ein Mensch danach tut. Wenn ein Parkplatz frei wird, ist das schön, aber kein Beweis.

Spannend wird es, wenn man die drei Schritte psychologisch liest. Dann steckt erstaunlich viel Vernünftiges darin.

Bestellen = ein klares Ziel

Wer aufschreibt, was er will, macht aus einem diffusen Gefühl ein konkretes Ziel. Klare Ziele lenken Aufmerksamkeit und Einsatz. Das ist einer der stabilsten Befunde der Motivationsforschung.

Loslassen = weniger Grübeln

Ständiges Kreisen um einen Wunsch macht unruhig und kostet Energie. Das Loslassen im Buch ist im besten Fall eine Einladung, sich zu entspannen und nicht jeden Tag ängstlich nachzuzählen.

Liefern lassen = offene Augen

Der Psychologe Richard Wiseman hat Menschen untersucht, die sich selbst als besonders glücklich oder unglücklich beschrieben. In einem Versuch sollten sie Fotos in einer Zeitung zählen. Auf Seite zwei stand groß gedruckt, dass sie aufhören können, weil die Zahl genannt wurde. Die „Glückskinder“ entdeckten den Hinweis deutlich häufiger. Die „Pechvögel“ waren so angespannt auf ihre Aufgabe fixiert, dass sie ihn übersahen. Wiseman schloss daraus, dass Glück zu einem guten Teil damit zu tun hat, wie offen man für Gelegenheiten ist.

Genau das meint der dritte Schritt, auch wenn das Buch es anders erklärt: Wer entspannt und aufmerksam ist, sieht mehr Chancen und ergreift sie eher.

Wo die Idee dir schaden kann

Zwei Fallen solltest du kennen.

Die Warte-Falle. Wer bestellt und dann nur noch abwartet, verpasst den wichtigsten Teil. Gabriele Oettingen hat gezeigt, dass Menschen, die besonders schön von ihrer Zukunft träumen, oft weniger dafür tun und seltener ans Ziel kommen. Die Bestellung fühlt sich schon wie Erfolg an.

Die Schuld-Falle. Wenn eine Bestellung nicht ankommt, liegt es laut mancher Ratgeber an „falschem Denken“ oder „Zweifeln“. Das ist unfair dir selbst gegenüber. Viele Dinge im Leben hängen von Faktoren ab, die niemand steuert. Mehr dazu unter Warum Manifestieren nicht funktioniert.

Bestellungen beim Universum, geerdet: eine Anleitung

Wenn du die Idee magst, kannst du sie so nutzen, dass sie dich wirklich weiterbringt.

1. Formuliere deine Bestellung konkret

Schreib auf: Was genau wünschst du dir, und woran würdest du merken, dass es da ist? Statt „eine schöne Wohnung“ lieber: „Eine helle Zwei-Zimmer-Wohnung mit Balkon, nicht weiter als 20 Minuten vom Büro, bis zum Sommer.“

2. Fühl die Lieferung

Stell dir zwei, drei Minuten vor, wie ein Abend dort aussieht. Du sitzt auf dem Balkon, die Sonne geht unter, du hörst die Straße leise unter dir. Spür die Freude und die Ruhe. Wie du solche Szenen lebendig machst, steht in richtig visualisieren.

3. Gib der Bestellung einen Lieferweg

Das ist der Teil, den das Buch eher andeutet, der aber den Unterschied macht. Welche Schritte erhöhen die Chance, dass die „Lieferung“ dich findet? Für die Wohnung: Suchprofile anlegen, Freunden davon erzählen, eine gute Selbstauskunft vorbereiten. Formuliere einen Wenn-dann-Plan: „Wenn eine passende Anzeige erscheint, dann schreibe ich innerhalb einer Stunde.“ Mehr dazu unter Wenn-dann-Plan.

4. Lass los, aber nicht die Hände in den Schoß

Loslassen heißt: nicht mehr grübeln, nicht stündlich die Apps checken. Es heißt nicht: nichts mehr tun. Ein schöner Weg ist eine feste, kurze Zeit am Tag für das Thema und danach bewusst Pause.

5. Achte auf Hinweise und folge ihnen

Ein Kollege erwähnt, dass seine Nachbarin auszieht. Du siehst einen Aushang im Café. Solche Momente gehen leicht unter. Wenn du entspannt und neugierig bist, nimmst du sie wahr. Und dann rufst du an.

6. Schreib auf, was ankommt

Ein kurzes Manifestations-Tagebuch hilft, Fortschritte zu sehen, auch die kleinen. Es schützt dich auch davor, nur die Treffer zu zählen. Notiere ehrlich: Was hat sich bewegt, was nicht, was hast du dafür getan?

Kleine Bestellungen für den Anfang

Mohr rät, mit kleinen Wünschen zu beginnen. Das ist auch aus psychologischer Sicht klug: Kleine Ziele sind schnell erreichbar, und jedes Erfolgserlebnis stärkt das Gefühl, etwas bewirken zu können. Ein paar Ideen für die erste Woche:

  • „Heute habe ich ein Gespräch, das mich zum Lachen bringt.“ Lieferweg: Ich rufe eine Freundin an, statt zu schreiben.
  • „Diese Woche finde ich einen neuen Lieblingsort in meiner Stadt.“ Lieferweg: Ich gehe am Samstag eine Straße entlang, die ich nicht kenne.
  • „Ich bekomme eine gute Idee für mein Projekt.“ Lieferweg: Ich gehe 20 Minuten spazieren, ohne Kopfhörer.

Du merkst: Jede kleine Bestellung hat einen Weg, auf dem sie dich finden kann. Genau das ist der Kern der geerdeten Variante.

Beispiel einer geerdeten Bestellung

Meine Bestellung: Bis Ende Juni wohne ich in einer hellen Wohnung mit Balkon, in der ich mich abends entspannen kann. Ich spüre schon jetzt, wie gut es tut, dort nach Hause zu kommen. Mein Lieferweg: Ich habe drei Suchprofile angelegt und erzähle diese Woche fünf Menschen davon. Wenn eine passende Anzeige kommt, schreibe ich sofort. Danach lasse ich das Thema bis morgen ruhen.

Fazit

„Bestellungen beim Universum“ ist ein charmantes Buch mit einer großen Idee. Als kosmischer Lieferdienst ist sie nicht belegt. Als Anleitung, klarer zu wünschen, weniger zu grübeln und offener durchs Leben zu gehen, steckt viel Gutes darin. Wenn du deiner Bestellung einen konkreten Lieferweg gibst, verlässt du dich nicht auf den Zufall, sondern auf dich.

Häufige Fragen

Funktionieren Bestellungen beim Universum?

Dass ein Universum Wünsche ausliefert, ist nicht belegt. Die Schritte dahinter, ein klares Ziel, weniger Grübeln und Offenheit für Chancen, sind psychologisch aber sinnvoll, besonders wenn du sie mit konkreten Schritten verbindest.

Wie bestelle ich beim Universum?

Schreib deinen Wunsch konkret auf, stell dir kurz vor, wie es sich anfühlt, wenn er da ist, und lege dann einen Lieferweg fest: konkrete Schritte und einen Wenn-dann-Plan. Danach lässt du los und achtest auf Gelegenheiten.

Wer hat „Bestellungen beim Universum“ geschrieben?

Das Buch stammt von Bärbel Mohr und erschien in den 1990er-Jahren. Es wurde zum Bestseller und machte die Idee im deutschsprachigen Raum bekannt.

Wie schreibe ich einen Brief an das Universum?

Schreib in der Ich-Form und im Präsens, was du dir wünschst und wie es sich anfühlt, und bedanke dich am Ende. Ergänze einen Absatz darüber, was du selbst als nächstes tust. So wird aus dem Brief ein Plan.

Quellen

  1. Wiseman 2003, Skeptical Inquirer: „The Luck Factor“ (Studien zu Glück und Aufmerksamkeit)
  2. Oettingen & Mayer 2002, Journal of Personality and Social Psychology (Fantasien vs. Erwartungen)
  3. Gollwitzer & Sheeran 2006, Advances in Experimental Social Psychology (Meta-Analyse Wenn-dann-Pläne)

Dieser Ratgeber ersetzt keine Beratung oder Therapie.

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